Eigentlich müsste der Fachkräftemangel längst Geschichte sein. Schließlich haben deutsche Unternehmen ihr Angebot an Zusatzleistungen in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht. Wären Benefits also tatsächlich das, wofür viele HR-Abteilungen sie halten – nämlich die entscheidende Waffe im War for Talents –, dann müssten die Bewerbungspostfächer heute aus allen Nähten platzen. Tun sie aber nicht.
Die Bertelsmann Stiftung hat rund 34 Millionen Online-Stellenanzeigen ausgewertet. Das Ergebnis: 2019 wurden in einer Stellenanzeige durchschnittlich 3,6 Zusatzleistungen aufgeführt. 2024 waren es bereits 9,6. Der Anteil der Inserate ganz ohne Benefits sank im selben Zeitraum von 35 auf 15 Prozent ab. Auch auf Karriereseiten gehören bunte Benefit-Kacheln längst zum guten Ton.
Wer sich davon allerdings einen Wettbewerbsvorteil erhofft hat, irrt. Denn wie die Studie zeigt, sind Benefits heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr.
Was ein Arbeitgeber wirklich bieten sollte, wird verschwiegen
Noch interessanter als die Flut an Benefits ist jedoch die Frage, ob das Aufgezählte überhaupt die Währung ist, mit der Unternehmen bei Bewerbern punkten können. Laut Wechselwilligkeitsstudie 2026 stehen ein langfristig sicherer Arbeitsplatz (70 Prozent) ganz oben auf dem Wunschzettel potenzieller Bewerber. Dahinter folgen ein höheres Gehalt (63 Prozent), gutes Führungsverhalten (62 Prozent), flexible Arbeitszeiten (58 Prozent) und ein sinnerfüllender Job (57 Prozent).
Das Interessante an dieser Rangliste: Es findet sich darin kein einziger klassischer Benefit. Erst am unteren Ende derselben Erhebung rangiert genau das, womit Recruiter besonders gerne werben. Während es für die Hälfte der Befragten keine Rolle spielt, ob der Hund mit ins Büro darf oder ob es pauschale Mitarbeiterrabatte gibt, werden die Spitzenplätze ausgerechnet von Angeboten belegt, die die Arbeit selbst betreffen: ortsunabhängiges Arbeiten, die Vier-Tage-Woche und Gehaltstransparenz.
Kulturfloskeln sind der neue Obstkorb
Nun könnte man einwenden, wenn Obstkorb und Tischkicker nicht mehr ziehen, dann müsse...
